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Review: Metroid – other M

28. September 2010 in Spiele

Review: Metroid – other M

Nach der Metroid Trilogie die sich Prime nannte, veröffentliche Nintendo vor kurzem ein neues Metroid, welches eine komplett andere Richtung als seine überaus erfolgreichen “Vorgänger” einschlägt. Dieses Mal tat sich Nintendo mit Team Ninja zusammen, die unter anderem für Ninja Gaiden und Dead or Alive verantwortlich sind, um Samus wieder in die 3rd Person Perspektive zu bringen und wieder näher an die 2D-Klassiker der Metroid-Reihe heranzurücken.

Hat es Team Ninja geschafft, die Qualität von früher in ein neues Gewand zu stecken, oder unterscheidet sich Metroid – other M zu sehr von allem bisher Dagewesenen, um dem hohen Standart eines der Nintendo-Flagschiffe gerecht zu werden? Lest weiter, um diese und weitere Fragen von eurem Lieblingscheesus beantwortet zu bekommen!

Präsentation:

Aus Trailern und anderem Gameplaymaterial erschien mir die Grafik eher ernüchternd. Es sah so aus, als wäre Samus und der Rest des Spiels schlechter dargestellt als in Metroid Prime auf dem Gamecube, was mich verwunderte und stutzig machte. Nachdem ich das Spiel aber in meine Wii einwarf und das erste Mal die Kontrolle über Samus übernehmen konnte, bekam ich einen ganz anderen Eindruck. Vor Allem Samus sieht sehr gut aus, ihre Rüstung ist schön detailliert, die Texturen darauf qualitativ hochwertig und die Reflektionen darauf geben ihr einen netten shiny-Effekt. Auch die Gegner sehen zum Großteil gut aus und sind sehr flüssig und “realistisch” animiert. Das Gleiche kann über die anderen Menschen, denen Samus im Laufe des Spiels begegnet (andere Menschen in Metroid? Dazu später mehr) leider nicht behaupten. Diese sind zwar auch gut animiert, haben aber so generische Gesichter, die dann auch noch stark an die Gamecube-Era erinnern, dass sie eher enttäuschen. Auch die Umwelt lässt teilweise zu wünschen übrig. Meistens gibt es hier zwar nichts zu meckern, aber vor allem in den pflanzenreichen Gegenden fallen niedrig auflösende Texturen doch öfter auf. Wenn man die Areale näher betrachtet, findet man überall mal ein paar unschöne Stellen, die aber nicht weiter ins Gewicht fallen und an der Gesamtpräsentation eigentlich nichts ausmachen. Alles in Allem ist other M grafisch nichts Besonderes. Es ist meist schön anzusehen, wird aber niemanden vom Hocker hauen.

Soundtechnisch habe ich nur ein großes Problem: Samus’ Stimme. Zum ersten Mal in einem Metroid Spiel hat Samus mehr zu sagen als “UGH!” ” und “AU!” und klingt dabei sehr Monoton. Das ist aber nicht das Problem, da ich mir Samus sehr gut als eher emotionslos vorstellen kann. Was stört ist die Aussprache und wie abgehackt Samus’ Sprecherin die Worte teilweise aneinander hängt. Sie scheint in ihrer Sprecherrolle noch sehr unerfahren und wirkt die ganze Zeit so, als würde sie sich zwingen, alles so deutlich wie möglich auszusprechen, was letztenendes nur abgehackt und unpassend klingt. Ansonsten ist der Sound typisch für Metroid: Atmosphärische Soundkulissen, gute Schuss-, Explosions- und Gegner-Geräusche und ein paar ikonische Stücke, die ein Gefühl von Nostalgie heraufbeschwören.

In den (gerenderten) Zwischensequenzen ist die Grafik natürlich bombig.

In den (gerenderten) Zwischensequenzen ist die Grafik natürlich bombig.

Story:

In Metroid – other M folgt Samus einem Hilferuf auf das sogenannte “BOTTLESHIP”, wo sie ihren früheren Kollegen aus der Galactic Federation begegnet. Darunter auch Adam Malkovich, der ihr Vorgesetzter und für Samus eine Vaterfigur war, bis sie die Federation verließ, um die Kopfgeldjägerin zu werden, die wir kennen und lieben. Sie schließt sich der Gruppe an um herauszufinden, woher das Hilfesignal kommt und um die Lage des BOTTLESHIPS zu klären. Da sie sich auf dieser Mission unterordnet, übernimmt Adam das Recht, Samus’ Ausrüstung zu “Authorisieren” und lässt sie zu Beginn des Spiels mit einem winzigen Bruchteil der Ausrüstung, die sie in Super Metroid (welches genau vor other M spielt) gesammelt hat. Hier haben wir also die diesmalige Ausrede, warum Samus denn mal wieder ohne Equipment dasteht. Diese Regelung bringt aber einige Momente mit sich, in denen man sich zum Beispiel fragen muss, warum Adam Samus nicht einfach den Grapplebeam authorisiert, wenn zwischen ihr und einer Tür ein Abgrund und darüber ein Grapple-Dingens (SO HEISST DAS!) steht. An einer Stelle artet dieses Szenario ganz besonders aus. Ich will euch nicht spoilern, aber wenn ihr das Spiel selber spielt werdet ihr wahrscheinlich sofort wissen, wovon ich rede. Die anderen Crewmitglieder sind sehr generisch und es fällt nicht schwer, sie zu vergessen. Überhaupt spielen nur 2 der Crewmitglieder eine Rolle: Adam und Anthony, der eine Art “cooler großer Bruder” darstellt.

Storytechnisch erinnert other M am stärksten an Metroid Fusion, in dem nicht nur Adam eine Rolle spielt, sondern da es auch viele Mysterien aufwirft, die im Verlaufe des Spiels geklärt werden. Samus und ihre Vergangenheit werden in diesem Spiel mehrfach abgehandelt und das Meiste ist relativ nachvollziehbar, wenn auch teilweise Klischeehaft. Nur an einer Stelle musste ich vor Hirnschmerz wirklich die Zähne zusammenbeißen, an der Samus so unglaublich unnachvollziehbar auf eine Situation reagiert, in der sie vorher schon mehrfach komplett anders “reagierte”.

Other M bietet also keine sonderlich gute Story und ist an ein, zwei Stellen sogar ziemlich dumm, aber sie wirft genug Mysterien auf und ist spannend genug um (abgesehen von den paar Stellen) zur Atmosphäre beizutragen, die das Spieleerlebnis verstärkt.

Samus in einem Korridor. Einfach nach rechts auf dem Steuerkreuz gedrückt halten und sie nimmt Kurven von selbst.

Gameplay:

Wie gesagt unterscheidet sich other M stark von den anderen 3D-Metroids. Es steuert sich alleine mit der Wiimote ohne Nunchuck und ohne Wiimotion Plus. Die meiste zeit hält man die Wiimote seitlich, wie einen NES-Controller, und spielt mit praktisch nur 3 Knöpfen und dem Steuerkreuz. Nach kurzer eingewöhnungszeit läuft das ziemlich gut, da Samus praktisch auf “Schienen” um Kurven geht, um unangenehme Steuerungssituationen zu vermeiden. Zusätzlich zielt Samus automatisch auf Gegner, die sich ungefähr in der Richtung befinden, in die Samus gerade blickt. Eine weitere Automatisierung ist das Ausweichsystem: Wenn man kurz vor dem Eintreffen einer gegnerischen Attacke in eine Richtung drückt, weicht Samus in die gedrückte Richtung aus und nimmt keinen Schaden. Teilweise aktiviert sich das Ausweichen sogar, wenn man einfach in eine Richtung gedrückt hält. Wenn man während des Ausweichens einen Schuss am aufladen ist, wird dieser sofort komplett aufgeladen, was Ausweichen auchzu einem Guten offensiven Mittel macht. Verständlicherweise klingt das ganze Gerede von “automatisch” fast so, als bräuchte man selber garnichts tun, aber dem ist nicht so. Vor allem stärkere Gegner haben Phasen, in denen die unangreifbar sind oder nur von Raketen verletzt werden können, wodurch das eigene Geschick abverlangt wird und das automatisierte Element eliminiert. Raketen kann man nämlich nur aus der Ego-Perspektive schießen, in die man gelangt, indem man mit der Wiimote auf den Bildschirm zeigt. Während man sich in dieser Perspektive befindet, kann man weder springen noch rennen, kann aber Gegner anvisieren und dann Raketen schießen, sich überallhin umsehen und auch weiterhin normale Schüsse abfeuern. Die Tatsache, dass man sich nicht bewegen kann sorgt dafür, dass man nicht einfach die ganze Zeit aus dieser Sicht spielt und alles mit den sehr starken Raketen zermürbt. Das Spiel scheint aber sehr fair zu sein, was die Unbeweglichkeit anbelangt. So schien es mir, als wären die meisten Gegner weit weniger aggressiv, wenn ich etwas mit Raketen “verschönern” musste und Endgegner haben natürlich auch immer Momente, in denen man sicher ein paar gute Schüsse gen Schwachpunkt anbringen kann.

Eine weitere Neuerung ist der “Konzentrationsmodus”, für den man den A-Knopf gedrückt halten und die Wiimote nach oben halten muss. In diesem steht Samus für ein paar Sekunden still und füllt am Ende der Wartezeit alle Raketen voll auf und wenn man fast tot ist, füllt dieser Modus sogar ein Wenig Leben auf. Dafür gibt es keine Energiekugeln und Raketen mehr, die die Gegner fallen lassen und Raketenupgrades lassen einen nur eine weitere Rakete mit sich rumtragen, da man sich sowieso eher selten in Munitionsnot befindet.

Die Ego-Perspektive. Nur von hier kann man Raketen verwenden.

Die Steuerung, die Kämpfe und das Platforming funktionieren alle sehr gut und nur selten habe ich mich durch das neue Steuerungsschema ins Bockshorn gejagt gefühlt.

Am Gameplay gibt es nicht viel auszusetzen. Zwar gibt es zwei Spielmodi, bei denen ich mich um deren Existenzberechtigung wundere, aber in denen kann man nicht scheitern, also sind es eher nervig-langweilige, kurze Passagen, die wenig ins Gewicht fallen. Diese Spielmodi sind zum einen Wo-Ist-Walter-mit-Samus, in dem man sich nur umsehen kann, bis man einen bestimmten Punkt eine kurze Weile fokussiert und zum anderen Special-Olympics-mit-Frau-Aran, in dem man Samus von Hinten steuert und sich sehr langsam und schwer zu kontrollieren bewegt. Wie gesagt tun diese beiden Szenarion nichts weiter, als Zeit zu kosten, weswegen sie nicht allzu sehr nerven. Desweiteren gibt es 2-3 (Halb-)Endgegnertypen, die frustrierend zu bekämpfen sein können, wenn sie einfach keine Lust haben, ihren Schwachpunkt zu offenbaren. Gegen Ende bekommt man ein sehr befriedigendes Gefühl der Macht, da man vorige Mid-Bosse in kürzester Zeit zu Staub verarbeiten und sich viel freier bewegen kann als vorher.

Nach 8-9 Stunden dürfte man Metroid – other M durchgespielt haben und somit ist es sicher nicht das längste Spiel. Ich hatte nach Komplettierung aber erst 46% der zu findenden Items (Leben- Raketen- und andere Upgrades, wie man es von Metroid gewohnt ist) gefunden und bin mehr als gewillt nochmal einzusteigen, um den Rest zu finden.

Fazit:

Nicht nur von der Story, sondern auch vom Gameplay lässt sich other M am besten mit Fusion vergleichen, da sie beide die wohl linearsten (abgesehen von Return of Samus vielleicht) und die Storyfokussiertesten Spiele der Serie darstellen. Wer also Metroid Fusion mochte, kann hier ohne Bedenken zugreifen und auch jedem anderen kann ich das Spiel ans Herz legen, wenn er über ein paar Storymankos hinwegsehen kann, denn Metroid – other M ist ein wahres Metroid, welches trotz ungewohnten Mechanismen sehr gut funktioniert und nur wenig falsch, aber vieles Richtig macht.

Grafik:★★★½☆ 
Sound:★★★★☆ 
Story:★★½☆☆ 
Gameplay:★★★★★ 
Langzeitmotivation:★★★★☆ 
Gesamt:★★★★☆ 

3 Antworten zu Review: Metroid – other M

  1. COOL!

  2. definitiv ein sehr gutes Game – die Story fand ich jetzt nicht sooo schlecht. Das Spiel war halt nen kleiner “Geldboost” sag ich jetzt mal.

  3. Das ist ja cool!^^