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Osamu Tezuka – Gott des Manga

31. Mai 2012 in Manga

Osamu Tezuka, auch bekannt als Gott des Manga. Und wenn von Gott gesprochen wird, dann nicht nur weil er ein paar großartige Manga gezeichnet hat. Das allein macht noch keinen Gott. Was aber einen Gott macht, ist die Schöpfung. Tezuka ist der Mann der Manga zu dem machte, was es heute ist und viele wichtige Grundsteine für eine berechtige Existenz als eigene Art sequentieller Kunst gelegt hat.

osamu tezuka

Osamu Tezuka - Gott des Manga

Anfänge

Wir schreiben das Jahr 1947. Der zweite Weltkrieg ist seit zwei Jahren vorbei, die Welt liegt noch in Trümmern. In Japan veröffentlicht ein 19 Jahre alter Medizinstudent mit dem Namen Osamu Tezuka einen Manga mit dem Namen Shintakarajima (“Die neue Schatzinsel”), einer Symbiose aus Tarzan, Robinson Crusoe und der Schatzinsel. Der Manga eroberte den Markt im Sturm. Mit 400.000 verkauften Exemplaren wurde er ein Bestseller. Doch trotz diesem und auch anderer, kleinerer Erfolge konnte sich Tezuka eine lange Zeit nicht dazu durchringen, seinen eigentlichen Beruf als Krankenhausarzt aufzugeben. Denn als freier Mangazeichner hatte man damals eine höchst unsichere Existenz. Mangaka waren damals sehr selten und wenig angesehen, Manga selbst hatten sich nicht festgesetzt und man war als Künstler von der Gunst der Käufer finanziell stark abhängig.

Mehrere Jahre lang hetzte Tezuka also zwischen seiner Arbeit als Arzt, dem Zeichnen von Geschichten und Verlagsverhandlungen herum. Dabei befand sich sein Krankenhaus in Osaka und die Verlage in Tokyo. Es war schwer, doch er wollte seinen Traum nicht aufgeben. So kündigte er also eines Tages tatsächlich seinen Beruf als Arzt und konzentrierte sich vollends auf Manga.

Der Schelm und seine Arbeit

Es gibt viele erzählenswerte Geschichten aus Tezukas Leben und Schaffen, denn neben seiner Zeichenobsession war der Japaner ein schelmischer Mann. Da ist zum einen mal die Tatsache, dass er sich mehreren Verlagen auf einmal verschrieben hat. Nicht aus Geldgier, sondern weil er so viel wie möglich Zeichnen und das Gefühl Manga verbreiten wollte. Durch seine zunehmende Popularität fand er auch tatsächlich genug Jobs bei vielen Magazinen. Genug? Zu viele eher. Das Arbeitspensum Tezukas war Wahnsinn. Es war so groß, dass selbst er es nicht schaffen konnte. Der Mangaka veröffentlichte wöchentliche Serien in unterschiedlichen Zeitungen und Magazinen und durch seine steigende Popularität waren einige von diesen bald von seinen Veröffentlichungen abhängig. Auflagen und Käufe stürzten ins Bodenlose, war der Tezuka Comic mal nicht dabei. So begann man in den Verlagen extra einen Angestellten nur damit zu beschäftigen, Tezukas neuem Kapitel hinterher zulaufen.

Nun, dass ist recht metaphorisch ausgedrückt, denn die meiste Zeit befand sich dieser in seinem Arbeitszimmer. Insofern verbrachten die Mitarbeiter Tage und Nächte damit, vor diesem Zimmer zu sitzen und darauf zu warten, dass er ihnen die erwünschten Seiten lieferte. Da ersichtlich war, dass Tezuka nicht immer alles schaffte, begann man die Reihenfolge der Fertigstellung auszuknobeln. Später zeichnete der Mangaka im Kreis jeweils eine Seite eines Kapitels einer Serie, um die Verlagsmitarbeiter jeweils zu beruhigen und spannte sie auch mal ein, um ihm beim Zeichnen zu helfen. Dabei steckte eine große Leistung dahinter, denn seine Geschichten unterschieden sich teilweise ziemlich von einander und waren auch nicht so generisch, dass er einfach immer das Selbe in anderen Positionen zeichnete. Er jonglierte so, ohne den Überblick zu verlieren, zu jeder Zeit ein Dutzend verschiedener Geschichten gleichzeitig. Noch schlimmer war es, wenn er auch noch andere Dinge zu tun hatte; als populärer Mensch war er oft zu Events und Feierlichkeiten eingeladen.

Tezuka hatte die Angewohnheit überall zu zeichnen. Ob im Auto, in einem Hotelzimmer oder gar im Krankenhaus noch kurz vor seinem Tod. So mussten ihm manchmal Mitarbeiter der Verlage hinterher fahren, um dann am Zielort die fertigen Seiten abzuholen. Auch wenn er nicht gerade mit Reisen zu Veranstaltungen und Terminen beschäftigt war, stresste er die Verlage gern. Da die Mitarbeiter wie Wachhunde vor seiner Tür lauerten, floh er manchmal einfach aus seinem Fenster und schlich sich vermummt in ein Kino, um einfach mal ausspannen und einen Film sehen zu können.

Das hatte er auch dringend nötig. Eine Dokumentation (“Tezuka Osamu no sosaku no himitsu” – zu deutsch “Das Geheimnis des Schaffens von Tezuka Omasu”) zeigt Tezukas Alltag als freischaffender Zeichner: Nach dem Aufstehen begab sich Tezuka frisch an die Arbeit. Denn die Zeit drängte, er musste etliche Serien fertig zu stellen. Zur Unterhaltung stellte er sich passende Musik oder den Fernseher an. Unterbrochen wurde er nur kurz, wenn ihm sein Manager das Essen brachte oder ihm die Assistenten vorzeigten, was sie ausgearbeitet haben, nur um den nächsten Stapel Skizzen mitzunehmen. Er hörte nicht mal auf um in Ruhe zu essen, das Mittagessen nahm er einfach nebenbei ein. Pausen machte er nur um seinen Körper mit einfachen Körperübungen zu entspannen. Tezuka lebte quasi in seinem Arbeitszimmer, seine Frau und Kinder traf er nur am Wochenende.

Späteres Leben

Er durchlebte später eine Krise gegen die gekiga, fand sich neu und erhielt in den 70er Jahren Titel wie “japanischer Walt Disney” und “Gott des Manga”. Besonderes ersterer war eine große Ehre für ihn, denn Tezuka war großer Disney Fan. Er wurde bei seiner Arbeit maßgeblich von den animierten Kinderfilmen aus Amerika beeinflusst. Man wird sicher schon die Bezeichnung Bambiaugen für die großen Augen in Manga und Anime gehört haben. In diesem Wort steckt ziemlich viel Wahrheit, denn Tezuka führte tatsächlich diese Augenart, inspiriert von Bambi ein.

Und jetzt wird es wild: Außerdem inspirierte ihn der Bambi-Film zu seinem Werk Kimba der weiße Löwe. Dieses erfolgreiche Werk, dass es animiert als Serie bis in das amerikanische Fernsehen schaffte, inspirierte wiederum Disney’s König der Löwen. Wobei das Studio bis heute noch steif und fest behauptet, dass keiner der Mitarbeiter dieses Werk vorher kannte. Was etwas komisch wirkt, denn dann hätte man eine nicht unpopuläre Serie im eigenen Fernsehen verpasst und ganz zufällig die gleichen Motive (z.B. der Geist des Vaters im Himmel, der Vater stolz auf der Klippe, das Hängen am Felsen, die wütende Herde, das Dornengestrüpp), ganz zu Schweigen von der offensichtlichen Namensgebung Kimba/Simba benutzt [Wen diese Sache interessiert, dem sei diese Seite nahegelegt, die Parallelen und Merkwürdigkeiten aufzeigt]. Und doch hat man den japanischen Wald Disney und seine Leistung nicht eines Wortes gewürdigt.

Schließlich, am Ende seines Lebens, landete Tezuka im Krankenhaus. Magenkrebs und Überarbeitung brachten ihn dahin und doch zeichnete er bis zu seinem Tod weiter. Seine letzten Worte sollen “Ich bitte euch, lasst mich arbeiten” gewesen sein.
Osamu Tezuka. Ein Mann der für seine Arbeit lebte und starb. Eine Arbeit die der Samen für die bewundernswerten Früchte war, die Animefans bis heute in vollen Maßen genießen. Ein Kind des westlichen Comics, dass seinen Vater bezwang. Osamu Tezuka. Er starb für unsere Unterhaltung.

Wenn ihr mehr über Tezuka und sein Schaffen erfahren wollt, empfehle ich das Buch “Tezuka Osamu. Figuren, Themen und Erzählstrukturen im Manga-Gesamtwerk” von Susanne Phillipps und eine der unzähligen detailreichen Biographien, denn Phillipps umreißt sein Leben zu Gunsten anderer Informationen nur kurz.

Quelle des Bildes: Wikimedia (Fotografie von Osamu Tezuka)

6 Antworten zu Osamu Tezuka – Gott des Manga

  1. Mada sagte am 31. Mai 2012

    osmanu tezuka :=B

  2. ein richtiger gott *_* <3

  3. Naruto sagte am 31. Mai 2012

    LoL

  4. interessanter artikel :> hab zwar noch kein werk von ihm gelesen aber vllt schau ich mal bei hitler rein XD

  5. Yukari sagte am 1. Juni 2012

    Ehre gebührt dem Schöpfer der Mangas 😀
    ~Anime/Manga 4 EvEr~

  6. Wondervoller Gott.
    <3