http://cdn.mangachat.eu/avatar/11145/1348179711.png

von

Wie Manga ihre Eltern, die Comics, übertrafen

5. Juli 2012 in Manga

Wie Comics sich selbst die Marktdominanz abschnitten und so aus Versehen den Aufstieg der Manga außerhalb Japans antrieben: Die Geschichte von einem Medium, dass auf sein Scheitern falsch reagierte und so einen ausländischem Ableger das Erwachen im internationalen Raum ermöglichte.

Comics waren ein etabliertes Medium vor allem für Kinder, sowie Jugendliche und zu großem Teil direkt an solche gerichtet. Doch Ende der 1980er Jahre gab es ein Problem. Die eigentliche Zielgruppe fühlte sich nicht mehr so angesprochen wie vor Jahren. Die damaligen Jugendlichen und Großteil derer die noch Comics kauften, waren nun erwachsen. Die damals dominanten Superhelden-Comics hatten mit argen Problemen im Verkauf zu kämpfen. Da war zum einen an der Unfähigkeit sich der Leserschaft anzupassen, zu sehr waren die Comics an formale und inhaltliche Traditionen, wie z.B. die Comics Code Authority, gebunden. Und jene Underground Comics, die versuchten eine Gegenströmung zum altbekannten Mainstream zu bilden, uferten dabei oft zu schnell in sexuelle und gewalttätige Maßlosigkeit aus. Verfilmungen zu Comics floppten.
Kurz gesagt, der Comic Markt stürzte sich mit kurzen und kleinen Ausnahmen von einer Krise in die nächste.

Der Pfad in die Verdammnis

Man reagierte auf die sinkenden Verkaufszahlen, indem man begann, statt vielen billigen Comics, wenige hochwertige zu produzieren. Diese Bände sollten sich dann also an den festen Kern, also an die Sammler richten. Was in der Theorie ganz nett klingen mag, erwies sich als folgenschwerer Fehler. Der Inhalt der Comics blieb gleich, die Zielgruppe waren immer noch männliche Jugendliche. Aber die Kosten für ein Comicbuch waren nun höher, als das was sich ein Junge regelmäßig leisten konnte. Der Umsatz wurde zwar durch die erwachsenden Comicfans mit mehr Kapital als Jugendliche gefördert, aber man merkte später schnell, dass dadurch die Käuferbasis schwand. Junge, potentielle Konsumenten konnten nicht mehr an einer Serie gebunden werden, die sie später vielleicht kaufen wollten. 1996 musste der jahrelang marktführende Verlag Marvel (Spiderman, Captain America, X-Men) Konkurs anmelden. Dies konnte nur durch den Verkauf von 23 Lizenzen verhindert werden. Noch heute verdienen die Verlage eher durch die Vergabe von Lizenzen für externe Projekte. Der eigentliche Comicverkauf hat einen geringen Stellenwert geworden.

Mittlerweile auf dem Mangamarkt

Man hat schon einige Jahre zuvor versucht Manga in Deutschland und Amerika zu publizieren, die Ergebnisse erwiesen sicher allerdings als bescheiden. Die Verlage versuchten, die Leser an das neue Medium zu gewöhnen, indem sie die japanischen Comics spiegelten, um sie auf westliche Lesegewohnheiten abzustimmen. Doch, ob nun die vormalige Dominanz der amerikanischen und französischen Comics oder die Fremdartigkeit der Manga, es wollte sich nicht so recht verkaufen. Angesichts des abstürzenden Comic Marktes wagt man jedoch ein Experiment: Ein Manga wird 1997 in Originalrichtung auf dem deutschen Markt veröffentlicht. Ein Manga, der einen so großen Einschlag hinterlassen hat, dass er auch heute, 15 Jahre nach der Veröffentlichung in diesem Land noch ein Begriff ist. Die Mangaserie Dragon Ball erscheint ungespiegelt. Trotz der Marktsituation nicht ganz freiwillig, denn Akira Toriyama stimmte der Veröffentlichung nur unter der Bedingung zu, dass die originale Leserichtung beibehalten wird. Aufgrund des selbst für Japan überproportionalen Umsatzes und der gigantischen Popularität geht man da tatsächlich mit. Und genau das hat sich als sehr positiv erwiesen. Inzwischen kennen wir das Ergebnis: Dragon Ball schlug auch in Deutschland ein wie eine Bombe.

Mögliche Gründe

Mehrere Gründe sind dafür zu nennen. Erst einmal waren sie im Gegensatz zu den nun hochwertigen, aber teuren Comicbüchern günstig genug, damit Jugendliche diese erstehen können (Als ich meinen ersten erstanden habe, hat er noch 9 Deutsche Mark und 95 Pfennig gekostet. Weniger als 5 Euro, meine Freunde!).
Zum Zweiten hatte das neue Medium nun auch etwas exotisches. Es wurde quasi “rückwärts” gelesen, eine völlige Neuerung die man mit Interesse betrachtete. Auch durch diese eigene Lesetechnik betonten Manga nun ihren ostasiatischen Ursprung und grenzten sich deutlich von den krisenbehafteten Comics aus Amerika ab.
Drittens, was sich aber erst etwas später stärker herausbildete: Manga richtet sich im Gegensatz zu Comics nicht nur an die männliche Zielgruppe, sondern hat sogar Genres die direkt an Mädchen und Frauen gerichtet sind. Damit hat sich eine relativ neue Zielgruppe für den Comicmarkt erschlossen.

Inzwischen sind die Manga eine stärkere Kraft im deutschen Buchmarkt, als die Comics es je waren. Man hat sich eine starke Leserschaft gesichert und die Güter aus Japan konnten schon viele Leser überzeugen, bevor man sich mittels Internet an dem fremden Mediengut labte und sich richtig aufpumpte. Die Voraussetzung dafür aber haben die amerikanischen Comics selbst geschaffen, in dem sie zuerst überhaupt die Herausbildung von Manga in Japan ermöglichten, die Menschen auf der ganzen Welt auf fantastische Bildergeschichten sensibilisierten und dann bei ihrem Absturz eine angenehme Lücke für die Manga hinterließen. Das Kind hat die Eltern übertrumpft.

Für mehr Informationen zu diesem Thema empfehle ich Manga von Miriam Brunner, aus dem ich unter anderem einen Großteil der Informationen herausgearbeitet habe.

4 Antworten zu Wie Manga ihre Eltern, die Comics, übertrafen

  1. Ich hab es mir irgendwie gedacht das es dragonball war 😀
    Hatte früher selber Dragonball Mangas, habe mich aber früher immer gefragt warum die Spiegelverkehrt geschrieben wurden xD

  2. ZORK sagte am 7. Juli 2012

    Schöner Artikel Shelmy, auch wenn ich ihn nicht so gut geschrieben finde wie Deine letzten. ~_^

    Bezüglich des Comicmarktes muss ich aber anmerken, dass das Medium Comic bereits vor den Manga andere Genres als die Superheldencomics erforschte, und dabei auch Comics entstanden, die sich an andere Zielgruppen als Jungen an der Schwelle zur Pubertät richteten. Dies geschah genaugenommen bereits zu Kriegszeiten – während die Männer zum Krieg eingezogen worden sind, versuchten sich ihre Frauen an dem Medium (was u.a. zu den Archie Comics führte).
    Aber ja, Mitte der 90er gab es ja den großen Comic-Crash, der, wie Du auch erklärst, durch eine Fehleinschätzung des Marktes entstand. Und erst durch die Manga sollte sich der Markt von dieser Starre erholen.

  3. Der Titel müsste eher “Wie Japan, Amerika übertraf” heißen x’D