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Als Männer Shōjo-Manga schufen

26. August 2012 in Manga, Rückblick

Die populärsten Mangaserien in Deutschland sind ohne Frage Shounenmanga wie Dragonball, One Piece oder Naruto, aber dennoch bemerkt man unweigerlich auch die Präsenz von Shoujomanga wie Maid-Sama oder Skip Beat. Dagegen besteht der größte Teil der populären westlichen Comics quasi nur aus Werken die vor allem an Männer gerichtet sind. Wie konnte es dazu kommen dass Manga, die sich aus den Comics entwickelten, eine größere Bandbreite effektiver bedienen als ihr Vater?

Anbeginn des Shoujo
Während die amerikanischen Comics an hauptsächlich an Männer und männliche Jugendliche gerichtet waren, wagte man in Japan schon früh zaghafte Schritte, um auch Frauen als Zielgruppe zu erschließen. 1910 erschienen erste Frauenmagazine, die auch Karikaturen und 4-Koma Manga enthielten. Wenngleich das Lesen von Bildergeschichten nicht nur Männersache war, so war das Erstellen derselbigen absolut Männer dominiert. Mit einer großen Ausnahme, wurden Shoujo Manga bis in die 1960er Jahre nur von männlichen Mangaka gezeichnet. Darunter im übrigen auch unser guter Gott des Manga, Osamu Tezuka. Dieser schuf den Manga “Ribon no Kishi” (Der Ritter mit der Schleife), der eine stille Revolution war. Er war einer der ersten Storymanga für Frauen und festigte dank Tezukas Popularität wichtige Merkmale des heutigen Shoujo-Genres. So geht es in diesem Manga auch um Crossdressing, welches die Protagonistin anwendet, um zu erreichen was ihr als Frau verwehrt bleibt. Doch wird sie in völlige Verwirrung gestürzt als sie einen Mann kennen lernt. Wir kennen das ja. Ein weiterer wichtiger Grundsteinleger ist Kurakane Shosuke, der “Animitsu Hime” (Prinzessin Bohnengelee) zeichnete. Dieser humorvolle Mädchenmanga zeichnete sich durch sein historisches Setting und hübsche Kleidchen aus. Beides Motive, die auch später stark in diesem Genre wiederkehren werden.

Bruch mit den Rollenmodellen
Feminismus hat noch nicht so tiefe Wurzeln und noch heute kämpfen Frauen um ihre Rechte. In Europa begann die Entwicklung der Gleichberechtigung schon im 17. Jahrhundert und setzte sich in schweren Kämpfen fort. In Japan jedoch herrschte noch bis in die 1980er Jahre hinein ein massives Rollenkonstrukt. Die Männer arbeiteten und die Frauen kümmerten sich um den Haushalt. Das funktionierte auch deshalb, weil ein Alleinverdiener durchaus seine Familie so versorgen konnte. Allerdings taten sich dabei auch Probleme auf, da Männer wenig Zeit mit ihreren Liebsten verbrachten. Man lebte hauptsächlich für die Firma. Es gab sogar öfter Fälle, in denen der Mann wegen der Arbeit nicht mal mehr zuhause wohnte.

Doch mit dem Beginn der 1960er Jahre stießen Frauen ins Mangaka Berufsleben vor und zumindest in den Bildergeschichten wurde begonnen, die Rollenmodelle aufzubrechen. Schon in den 1970er Jahren ist das vormals männerdominierte Genre hauptsächlich von Frauen besetzt. Sie kennen ihre Zielgruppe und können sich auch mit ihren Protagonisten identifizieren. So wie sich in Deutschland die Gruppe 47 der Kurzgeschichtenschreiber zusammenfand, entstand in Japan die Gruppe der 24er. Eine Sammlung von Zeichnerinnen die alle um das Jahr 1949 (Showa 24 nach japanischen Kalender) geboren waren. Diese Gruppe sollte das Shoujo Genre weitreichend prägen. Dazu gehören Stilmittel wie:

  • Auflösen fester Panelstrukturen
  • Blüten, Blätter oder Seifenblasen mitten im Bild als Mittel des Gefühlsausdrucks
  • Große Augen mit vielen Details, die jede Gefühlsregung wiederspiegeln
  • Thematische Erweiterung des Themas um Liebe, Abenteuer, Kämpfe und auch Sex
  • Teilweise Vereinfachung der Hintergründe

Ein bedeutendes Mitglied der Gruppe war Ikeda Riyoko. Sie ist verantwortlich für “Die Rosen von Versailles”, bzw. “Lady Oscar”, dass noch heute einen gewissen Bekanntheitgrad hat. Daneben haben einige Werke der Gruppe der 24er auch homoerotische Szenen zwischen männlichen Charakteren in sich. Man hat damit auch den Grundstein zum späteren Shounen-Ai gelegt. Aber nicht nur dazu.

Shoujo heute
Heutzutage haben die Genres innerhalb und um Shoujo eine noch weitere Bandbreite erschloßen und sprechen unterschiedliche Altersgruppen und Themen an. Shoujogeschichten haben an Komplexität gewonnen und neue Genre wie Yaoi etablierten sich. Die Merkmale, welche von den Vorreitern von Damals hinterlassen wurden, existieren heute jedoch immer noch.

Ich empfehle wie immer Miriam Brunners Werk “Manga“.

4 Antworten zu Als Männer Shōjo-Manga schufen

  1. Aber mal im Ernst: die Panelaufteilung klassischer Shoujo-Manga ist furchtbar @.@

  2. Wiedermal ein interessanter Text von dir Shelm 😀
    Und wieder gut geschrieben und leicht verständlich.
    Schade das du den Bereich Hentai nicht rein nehmen durftest ^^

    Freu mich schon auf deinen nächsten Artikel 🙂

  3. {hust] :-

  4. Studenten ♥ hab den halben Text nicht kapiert aber…
    ‘Toller Text, ein interesanter Beitrag zum heutigen Tag. ^___^’